#4: Lie b/g en lernen

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Liegende

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Vorsicht, Sackgasse.

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Wer den Pfeilen folgt, ist doof. Mischtechnik auf Papier. ©MaltreyInk

Echo der Erinnerung

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Echo der Aeronauten, Aquarell, Fundstück #3, 2016.

 

Ich erinnere mich an dich.

Aber

Der Sommer geht vorbei

und alles was bleibt

ist ein Hauch von Kälte.

 

 

Feuervogel

Du wärst Hedonist, sagst du und legst noch mal nach. Alles nach Lustprinzip. Ich und du, die irgendein ironisches Schicksal in diesem Raum zusammengetrieben hat. Ich, die kleine, naive Unschuld vom Lande und du, der Weltgewandte. Ich kenne jeden deiner Gedanken. Sie sind allesamt Jahrtausende alt. Leg nochmal nach, vielleicht ist es dann heiß genug. Natürlich bist du nicht anders. Du bist auch nur wieder eine Kopie. Genau so wie dein Flur und deine Wand und meine Hand vor meinen Augen nur eine Scheibe sein kann von einer Ringwurst, die Realität heisst. Der kleine Ofen faucht. Ich hoffe, er explodiert und reisst dein kleines Zimmer voller Bärenfell mit uns in die nächste Ewigkeit. Es gab nur diesen Weg. Und jetzt meinst du, du hättest mich gefangen und breitest väterlich dein ganzes Wissen aus. Ich kenne es schon. Du meinst es gut, aber du weckst es auf. Deine Routine ist eine Wolfsmaske. Du warst einmal zu oft Holz holen. Und du hast eine nur leise Ahnung, die dich still reizt, wie Spuren von Raubtieren im Schnee, denen man folgen muss, ohne zu wissen, worauf man sich einlässt. Hast du eben wirklich nach meinem Glauben gefragt? Epische Unschuld. Weißt du eigentlich, wie weit du reist?  Du wärst wohl Buddhist, meinst du. Das kommt wenig überraschend. Ich glaube an die Freiheit, Unabhängigkeit sei mein Gott. Du lachst gehemmt. Aber welche fucking Rolle spielt das, Hedonist? Deine Lust braucht ein Objekt.  Ohne mich kommst du nirgendwo hin. Und mit mir … – stell die Frage nach der Religion einfach noch einmal. Der Ofen glüht, die Flammen zittern. Wir, wir beide zusammen, wir nähern uns dem Abgrund mit Riesenschritten. Und du krallst dich an der Kante fest, während ich mich auf den Sprung vorbereite. Ich kann nichts glauben. Nicht deine Ideen, nicht deinen Gott, nicht dein Zimmer, deine Wohnung, nicht mein Bild an deiner Wand, nicht meine Existenz auf deiner Couch und nicht mehr meine Moral. Die Baumrinde explodiert krachend und die Funken bleiben einen Moment in der Luft stehen, wie eine Galaxie. Du wirst oben liegen und dich überlegen fühlen. Ich liege unten und fühle nichts. Aber ich bin nicht Gretchen und die Welt ist kein Wunschkonzert. Zieh mein Shirt aus, Hedonist. Vielleicht bekommst du ein neues Leben. Vielleicht schenkst du mir Lust, Hedonist. Und vielleicht explodiert der kleine Ofen ja genau im richtigen Moment und schleudert uns ins Universum. Es macht Sinn, an die beste aller möglichen Welten zu glauben. Du Phoenix, ich Ikarus.